Mittwoch, 24. september 2008 3 24 /09 /2008 16:43
null Wer nicht brav ist, den bestraft das Leben. Und brav ist, wer seine Nachtruhe geregelt abhält, sucht und somit auch findet.

Doch wie verhält es sich mit dem Schlaf eines Online Spielers der ersten Stunde, der seine „Geschäftszeiten“ nach US-amerikanischem Alltag regelt und angepasst hatte? Einfach weil die online Casinos Ihre Hauptevents und ihre großen Turniere nach ihrer Fasson, ihrem Haupt-Klientel richteten? Somit also ein Leben erst ab 20.00h MEZ begann und bis mindestens 8.00h morgens dauerhaft geführt wurde?

Ein Online-Spieler hat Schlafstörungen. Hat Probleme Termine einzuhalten, weil die Konzentration fehlt und auch die Zeiten einfach nie passen.

Aber Hoffnung naht: Letztlich ist das Ende der Probleme mit der Umstellung zu geregelten Zeiten und „normalen“ Abläufen gesichert. Oder doch nicht?

Seit zwei Jahren nun kämpfe ich mit Schlafstörungen, die periodisch auftreten und Sünden der letzten Jahre wohl zu bestrafen suchen.

Dagegen habe ich weder einen Arzt besucht, noch Medikamente genommen. Vielmehr habe ich einmal in einer Apotheke angefragt, ob es denn keine „Hausmittelchen“ dagegen gäbe. Der Apotheker schaute mich durch seine Brille hindurch sehr „wichtig“ an und meinte: „Können sie die Klappe halten, dann gebe ich ihnen ein Päckchen Melatonin-Pillen aus den USA mit. Diese ersetzen das fehlende Melatonin im Hirn, was eben zu den Schlafstörungen führt. Ist aber nicht ganz legal, wenn sie verstehen was ich meine. Hier gebe ich die Pillen nur an Piloten weiter, unter der Hand, da sie in Europa verboten sind“.

Ich verstand was er meinte und nahm ein Päckchen. Langer Rede kurzer Sinn: Es hat nichts gebracht. Und wer so stark Telekommunikationsunternehmen und Ärzte verabscheut wie ich, der sucht danach ohnehin seinen eigenen Weg.

Das Problem habe ich „angenommen“ und versuche nicht davon beherrscht zu werden. Es stört mich kaum in meiner Arbeit, da ich von zuhause aus arbeite und meine Zeiten selbst regulieren kann. Zudem arbeite ich sowieso zuviel und sehr gewissenhaft.

In den Zeiten des „Überdreht seins“ lese ich sehr viel Literatur oder auch Belletristik. Oder lese in einem befreundeten Poker Blog link, den ich auch wirklich guten Gewissens empfehlen kann. Zudem habe ich mir angewöhnt, jeden Abend statt Kaffee, was auch ein Auslöser meines Problems gewesen sein könnte, einen oder zwei Tee zu trinken.

Da meine Ehefrau eine Teespezialistin und eine ganze Schublade voll ist mit über 50 verschiedenen Sorten, fand ich die Umstellung eine sehr gute Idee. Zudem bewege ich mich einmal weg von meiner Kaffee-Abhängigkeit, die schon manische Ausmaße angenommen hatte… 

Vorgestern nun –und nach einem Bericht im Fernsehen- kam ich auf einen Verdacht. Sachte (meine Frau spricht neuerdings hochdeutsch mit mir, da sie ja Mutter eines Sohnes ist) versuchte ich mich nun an meine Lebensabschnittsgefährtin und dem Verdacht heran zu robben: „Ich habe da eine Frage! Ich bekomme doch immer SCHWARZEN TEE von Dir seit einem halben Jahr am Abend. Ich habe gehört, dass der aufputschende Inhaltsstoffe hat. Kann DAS den nicht die Ursache meines Schlafproblems sein?“
Während des Fernsehberichts übrigens ist mir richtig schlecht geworden, als ich tatsächlich den schwarzen Tee als klassisches „Aufputschmittel“ mehrmals erwähnt bekommen habe!

„Erstens bekommst Du den Beutel nur 15 Sekunden eingelegt im Glas, das heißt, es zieht nur wenig! Zweitens haben die im Fernsehen keine Ahnung und machen nur Polemik. Und drittens bin ich Deine Frau und weiss sowieso was das Beste für Dich ist.

Sabotage? Meine Frau?
Auch hier habe ich mich schnell gefügt und natürlich weiß meine Frau am besten was gut für mich ist und vor allem, was AM BESTEN für mich sein muss… Also schlürfe ich weiter Tee, nicht unbedingt immer schwarzen Tee, denn mittlerweile gebe ich sehr interessiert vor, auch andere Sorten probieren zu wollen. Und wissen sie was: Es funktioniert! Nur mit dem Schlaf eben nicht ganz, aber das wird meine Frau schon richten…

von AK - veröffentlicht in: Poker-Geschichten
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Samstag, 20. september 2008 6 20 /09 /2008 23:16

null Las Vegas, Nevada.

Es ist eine kühle Nacht und ich habe mich von einem privaten Fahrer in die Wüste fahren lassen. Ich muss klar werden, den Kopf befreien und wieder zu mir selbst finden.
Die Eilmeldungen der Aufnahme weiterer Pros im FullTilt Team, mit „großartike Optione“ (Entschuldigung Horst Koch, die Aussage ist nur eine Leihgabe) ist einfach nur ein Stachel in den Wunden meines angekratzten Egos.

Die Welt will einfach nicht verstehen wie gut und diszipliniert ich bin. Wie stark ich spiele, zwar mit einem Maximum Output von 3K im Monat, aber immerhin.

Bei den Turnieren spiele ich Stunden lang keine Hand und scheide aus vor oder am Bubble. Das ist tägliches, verfluchtes Pech, dass sich doch mal drehen muss.

Was solls nur… HALT Moment: Mein Fahrer ist abgehauen, hat mich in der Wüste sitzen lassen und ein Monstergefährt ist im Anmarsch. Ein gewaltiger Luftzug weht Sand, Wind und abgerissene Wüstenpflanzen in mein Gesicht. Oh mein Gott! Es ist der FullTilt Bus und Chris Ferguson am Steuer.

Phil Ivey stürzt aus dem Bus während ich versuche mein Gesicht sauber zu bekommen. Er umarmt mich und murmelt etwas in gebrochenem Deutsch: „ Hi, f**ck, Naujos, Manager, Sandra, bl** job, Thomas, Trainer, FullTilt Team“. 

Überglücklich deute ich alles richtig: Man hat mich aufgrund meiner Stärke im FullTilt Team aufgenommen. Alle meine Ängste, als letzter Spieler im Deutschsprachigen Raum - ja auf der ganzen Welt- spielen zu müssen, ohne rot markiert zu sein, waren im Nu verflogen. 
Aber halt: was meinte er mit bl** job und warum drückte Phil mit einer Hand mein Knie fest zusammen? Dabei zwinkerte er komisch?

„Nun lasse mal alle negativen Gedanken weg und male Dir dieses schöne Leben aus“: Reisen, spielen, sich um nichts kümmern, Geld in der Tasche und mit dem Team unterw… 

„Schatz! Schatz habe ich gesagt! Du redest im Schlaf! Hast Du eine Affäre? Wer ist diese Sandra und wieso brauchst Du einen Manager und hast Du wieder auf FullTilt alles verzockt? Und ich sagte Dir noch, ich wollte die neue „Dayjust“ von Rolex kaufen bevor Du den Gewinn verballerst!“

Aus ist es wieder einmal. Aber wenigstens im Schlaf war ich der letzte, der in das FullTilt Team aufgenommen wurde. Ich hatte schon Angst. Genau diese Angst, die eine alte Jungfer fühlen muss, die bestellt, aber nie abgeholt wird. Ich konnte es fühlen und sagen: „Endlich geschafft, ich bin im Team!“

Note: Da die aktuellen Teammitglieder Gerüchten zufolge eher unglücklich als zufrieden sind, bin ich wieder mal ironischer Weise komplett „außer Mode“ :=)

 

To be continued…

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Mittwoch, 3. september 2008 3 03 /09 /2008 17:48

Erscheint auf link

 

Den ganzen Tag habe ich fast telefoniert. Mein Informant wusste alles aus erster Hand. Weitere zwei Kontakte, die vor Ort waren und mit denen ich freundschaftlich verbunden bin, bestätigten die Fakten.

Auch dieser Skandal wundert mich nicht. Ich staune zwar, aber mittlerweile vertrete ich den Standpunkt dass jeder selbst Schuld ist, der solche Abenteuer auf sich nimmt...

Zum Thema:

Die Voraussetzungen stimmten und auch die Gäste erschienen zur Feier: Dolce Vita vereint mit einem hervorragenden Turnier. In Bol/Brac an der kroatischen Riviera trafen nicht nur Kroatische „Poker-Gastarbeiter“ in Ihr Heimatland ein, sondern auch eine Fülle mehr oder weniger bekannter Pokergesichter aus ganz Europa.

Das „Croatia Summer Poker Festival“ lockte vom 16. bis 23. August in das Europa Casino mit einer Turnierserie, die sehr attraktiv gestaltet wurde. Abschluss: Ein mehrtägiges Hauptevent, bei dem es €100.000.- garantiertes Preisgeld zu gewinnen gab. Die Marketingmaschinerie lief auf Hochtouren. Auf den auflagestärksten Hochglanzmagazinen, die sich mit Poker befassen, fand sich eine große, einseitige Anzeige.

Doch kaum hatte die Turnierserie begonnen, traten Ungereimtheiten und Nervosität bei den Führungskräften und hauptsächlich beim Betreiber selbst, in der Person des Geschäftsführers ein. Je näher der Termin zum Hauptevent rückte, desto größer wurden die Stirnfalten. Bis es zum Eklat kam: Mit der Handkasse und dem garantierten Spielerpot von mindestens €100.000.- verschwand der Betreiber und Geschäftsführer vor dem Beginn des Hauptevents. 

Der Betrag erscheint zunächst sehr hoch, allerdings ist in Betracht zu ziehen, dass alleine die nicht einfach zu erwirkende Lizenz für den Betrieb des Casinos, bereits mindestens den dreifachen Betrag ausmachte…

Die Stadt hatte die Turniere offiziell genehmigt und steht in einer Art Haftung. Ein gutes Signal für die Spieler, die bereits zahlreich einbezahlt hatten ( Buy-in €2.000.- und Fee €200). Allerdings wird die Entschädigung auf sich warten lassen, da es noch bürokratische Hürden zu bestehen gilt.

Warum P.K. diesen Entschluss fasste? Spekulationen sind an der Tagesordnung. Allerdings verdichten sich Informationen, nach denen er sich die Liquidität für die Lizenz und die Errichtung des Casinos nicht bei „offiziellen“ Banken erwirkt hat. Die Fälligstellung des Kredites allerdings, scheint in anderen Bereichen als den „offiziellen“ Banken nicht ganz ungefährlich zu sein…

Pokerevent platzt skandalös; Inhaber sucht das Weite mit der Handkasse…

Sprachlos und somit ohne Worte

AK

 

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Dienstag, 2. september 2008 2 02 /09 /2008 12:01
Jahrelang geht es gleichermaßen hin und her:

Kleine Cardrooms machen in Österreich auf und nach einem kurzen Zeitraum wieder zu. Konstant halten sich alt etablierte Rooms, die entweder von der Location optimal liegen oder sonst eine gute Besucherzahl vorweisen können. Meistens hat es mit dem glücklichen Umstand eines oder mehrer Fische zu tun, die als Futter für die örtliche Szene fungieren.

Die Szene an sich, so wie die Pokerwelt generell und vor allem in Österreich ist eine Kleine. Man kennt sich. Genauso kennt man den kleinen Chinesen „Betrüger-Leo“, „4-Finger Hansi“, „Bla-Bla-R“ und „klein M“.

In all den Jahren konnte ich verfolgen, wie diese Herren ständig neue Jobs und Tätigkeitsangebote bekamen. Und diese auch nutzten und Ihre Tätigkeiten Österreichweit wahrzunehmen.

Nicht dass man denkt, das die neuen Betreiber und Arbeitgeber nichts von den Vorgeschichten oder den berechtigten Vermutungen und Gerüchten wussten. Aber, ein Leid der Branche in der jeder denkt er ist der Beste und kann alles besser, es wurde alles komplett ignoriert.

Zum konkreten Vorkommnis: Das Geschrei ist groß: „klein-M“ und ein TAG (tight aggressive) Chinese aus der Region haben oft miteinander Jackpots geknackt und ausgelobte Tages-Highhands gewonnen. Das war wohl nicht genug und der große Coup sollte noch gelingen: Der Dealer löste in fortgeschrittener Stunde zum Morgengrauen seinen Kollegen ab, fast mit Gewalt. Der Kollege müsste auf WC-Break. Er nahm sein Kartenpaket mit und der Betrüger gab sofort und ohne Mischvorgang aus. Nun, kein Wunder: Während sein Chinesischer Kompagnon nie über €20 vor dem Flop bezahlte, ging er auf einmal mit KJ off suited all-in und mit über 5K. Die beiden Kontrahenten hielten jeweils AA. Auch kein Wunder, dass das Board KKJ enthielt und die Sache zugunsten des Chinesen ausging.

Aufgrund bereits lange vermuteter Manipulation seitens eines der zwei Mitspieler, der über €30.000 bereits in dieser Art und Weise in der letzten Zeit verloren hatte, fragte dieser nun den Leitenden Angestellten, „Bla-Bla-R“, ob man denn wenigstens und zur eigenen Beruhigung die Videoaufzeichnungen nachkontrollieren könnte. Dreimal wurde gefragt, dreimal beschwichtigte dieser mit der Aussage alles kontrolliert und in Ordnung befunden zu haben. 
Glück im Unglück, dass ein befreundeter Floorman die Zivilcourage (wohl auch nicht ohne eigene Verdachtsmomente in dieser Richtung) besaß und Stunden später die Videoaufzeichnungen mit dem Betrogenen ansah: Eindeutig zu ersehen, dass der Dealer die Karten sofort und ohne aufziehen oder jegliche Kontrolle austeilt. Ein Kardinalsfehler, handwerklich gleichzusetzen wie eine Taxifahrt, bei der der Fahrer die Bremsen „ausschaltet“. 

Dass dies aber kein Fehler war, zeigt eine anschließende Ausgleichszahlung an den Spieler, mit der obligatorischen Unterschrift unter einem Papier, dass jegliche, weitere Forderungen ausschließt. Zudem wurde „klein M“ fristlos entlassen.

Ein Einzelfall? Mitnichten! Der Nutznießer: das offizielle Casino, das nun mit Korrektheit und Zuverlässigkeit aufwartet. Hierzu in einem nächsten Blog mehr.

 

Für die private CardRoom-Branche in Österreich, die bei Diskussionen um Öffnungen des privaten Markts in anderen Ländern gerne als Musterland hergenommen wird, ist es wahrlich eine Katastrophe. Noch dazu, da besagtes Pokercasino in einem Franchise mit einem großen, seriösen Betreiber verknüpft ist, der allerdings nichts mit solchen Machenschaften zu tun hat. Umso verwunderlicher, dass es hier eine Kooperation/Franchise gibt, dass auch den guten Namen des Franchisegebers unrümlich beschmutzen kann...

In diesem Sinne sehr traurig aber nicht verwundert

AK


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Freitag, 29. august 2008 5 29 /08 /2008 17:35

Poker in Deutschland;  eine Bestandsaufnahme

(aus einem meiner Artikel der aktuellen Ausgabe des RoyalFlush Magazins link )


Vorgeschichte:
In der ersten Ausgabe des Royal Flush-Magazins, im Dezember letzten Jahres, haben wir bereits eine Bestandsaufnahme der Situation in Sachen Poker in Deutschland veröffentlicht (RF Ausgabe 01/2008 Seiten 41-43). 

In der Zwischenzeit gibt es Entwicklungen und Urteile, die nach einer Nachbetrachtung verlangen.

Aktuell:
Mittlerweile zu einer nennenswerten Dimension herangewachsen, macht die von offizieller Seite in eine Grauzone verdammte Szene, eine Achterbahn der Informationen und insbesondere der Gefühle durch. 
Während in den Deutschsprachigen Nachbarländern eine gewisse Lockerung stattfindet, führen einzelne Gerichtsentscheidungen und neuerliche Erlasse zu einer steigenden Nervosität und Unsicherheit innerhalb der Sachpreisturnierveranstalter in Deutschland.

Österreich:
In Österreich, in der nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die gängigste Variante „No Limit Holdem“ als Glückspiel deklariert wurde, kümmert es Niemanden. Der Vorreiter, das Concord Card Casino und in Person der „grauen Eminenz“ Peter Zanonis, fegen regelmäßig und seit nunmehr etlichen Jahren sämtliche Bescheide und Restriktionen vom Tisch. Das Concord expandierte letztes Jahr zudem nach Innsbruck (Franchise aber doch) und Salzburg und plant mit weiteren Standorten, unter Anderem aktuelle mit Bregenz. Etliche kleine Card Rooms, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, bieten Turniere und Cash Games auf täglicher Basis und flächendeckend an. Grosse Turniere und Serien mit exorbitant hohen Ausspielungen von Preisgeldern sind an der Tagesordnung.

Schweiz:
In der Schweiz wurde bereits vor Monaten der private Markt für Turniere geöffnet. Zwar ist es hier auch nur eine Zwischenlösung, da die örtlichen Spielbanken weiter dagegen vorgehen werden. Allerdings hat sich bereits ein Markt gebildet, der mit professionellen Strukturen und massiver Unterstützung der Online Casinos, die eine Chance witterten und gefunden haben, die Szenerie aufblühen lässt.
In der Regel reichen bereits ein Antrag bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) und kleinere Auflagen, um hier als Veranstalter tätig zu werden. Interessant aber der Hauptpunkt für die Erteilung der Bewilligung: Entscheidend ist, dass der Ausgang des Turniers überwiegend vom Können und nicht vom Glück abhängig ist. Das heißt, dass die Blinds im Vergleich zur Startdotation der Chips gering sein und nur langsam ansteigen dürfen! Zudem werden die Strukturen auch vor Ort noch einmal überprüft. Wenn also eine bereits genehmigte Struktur an Aktualität verliert, weil z.B. weniger Teilnehmer mit machen, dann muss und wird die Struktur individuell und ausschließlich zu Gunsten der Spieler „gestreckt“! Ein Paradies für jeden ambitionierten Spieler.

Deutschland
In Deutschland hat sich nach den positiven Urteilen des AG Fürstenfeldbruck (Urt. v. 29.08.2007 /Az.: 3Cs 33 Js 6775/07) und Baden-Baden viel getan. 
Es gibt mittlerweile neuere Urteile, die jegliche Art des Sachpreisturniers als illegales Glückspiel definieren. Hierbei spielen die obligatorische Kostenaufstellung, ein Buy-in von maximal 15.-€ und sonstige, von Fürstenfeldbruck als Beispiel für die „Legalität“ der Sachpreisturniere als Voraussetzung definierten Auflagen keine Rolle mehr…

Zwei aktuelle Urteile stechen hervor, beide konträrer zueinander, als dass es der gesunde Menschenverstand nachvollziehen könnte.
Verwaltungsgericht (VG) Münster:
Münster, Anfang April 2008: Az.: 9 L 13/08 (nicht rechtskräftig):

Hier entschied das VG, dass Pokerturniere außerhalb der legitimierten Spielbanken ohne Ausnahmen unter „illegalem Glückspiel“ zu subsumieren sind.
Das Gericht entschied per Eilbeschluss, dass die gegen die Untersagung gerichtete Klage des Veranstalters keine Aussicht auf Erfolg hätte. Das Entgelt und verschiedene Bezeichnung dessen, sowie gesponserte Preise und das Spiel an sich, das eben nur vom Glücksfaktor abhängig sei, ließen keine andere Wahl, als die Veranstaltung zu verbieten.
Das Argument des Turnierveranstalters, ersatzweise den Event als Charity-Turnier durchzuführen, ließen die Richter auch nicht zu: Dieses sei in dem Gesamtkonzept des Veranstalters zu erkennen, der über Punkte- und Ranglisten eben auch hierbei einen Nutzen habe. Denn er würde eine Veranstaltung dieser Art missbrauchen, als Werbeträger für seine weiteren, endgeltpflichtigen Turniere, die wiederum ihren Abschluss in Preisen finden, die einen erhebliche wirtschaftlichen Wert darstellen (z.B. ein Auto).
Somit würden die unentgeltlichen Turniere (auch Charity Turniere) für illegale Turniere (mit Einsatz) innerhalb eines „geschlossenen Systems“ missbraucht, was deren Illegalität begründe.

Landgericht Hamburg (Az.:620 Qs 7/08)
Mittels einer Razzia auf der Basis eines richterlichen Beschlusses haben Hamburgs Behörden während eines Sachpreisturniers, sämtliches Spielmaterial beschlagnahmt und die Veranstaltung aufgelöst. 

Bei dem Verfahren vor dem Landgericht kommen die Richter zum ersten Mal in Deutschland tatsächlich ihrer Aufgabe gründlich nach. Und beschäftigen sich, ähnlich wie das Beispiel in der Schweiz, mit „Turnier spielen“. Hierbei zeigt sich das Gericht von der Argumentation des Beklagten und dessen Darstellungen, hinsichtlich der Einordnung von Pokerturnieren in den Bereich „Geschicklichkeitsspiel“ beeindruckt. Das Gericht stellt fest, dass es zumindest zu bezweifeln sei, ob Turniere tatsächlich und pauschal als Glückspiele definiert werden können. Zudem kritisiert das Gericht indirekt andere Entscheidungen, die sich mit der Materie „Pokerturniere“ und dessen Klassifizierung kaum befasst haben und pauschal von Glücksspiel und Illegalität ausgegangen sind.

Die Betroffenen
Man kann sich gut vorstellen, wie es einem Unternehmer gehen muss, der fast wöchentlich von Gerüchten Interpretation und umso trauriger: Von falschen Interpretationen und Auslegungen der Urteile gebeutelt wird. Für einen seriösen Turnierveranstalter müsste der Zweifel am Rechtsstaat bereits zur Tagesordnung gehören.
Hier gibt es diejenigen, die kleine Umsätze fahren und sich gegen Erlasse der Behörden (aufgrund der negativen Urteile wie beschrieben) nicht wehren. Entmutigt geben sie auf oder versuchen verzweifelt sich größeren, nicht unbedingt seriöseren Anbietern anzuschließen.
Die Großen wiederum, vertreten von namhaften Kanzleien, kümmern solche Urteile wenig. Es wird regelmäßig widersprochen oder berufen. Teilweise machen die Rechtsvertretungskosten die Hälfte der Betriebsausgaben aus. Und nicht erstaunlich, dass den Lizenznehmern zum Teil eine Hotline zur Verfügung gestellt wird: Eine Nummer also, die bei Problemen vor Ort, mit Ordnungsamt und Polizei, angerufen werden kann. Ein Mitarbeiter der beauftragten Sozietät ist immer erreichbar und für die jeweiligen Beamten am Telefon verfügbar um negative Auswirkungen direkt zu unterbinden.


Die Urteile und der Europäischen Gerichtshof (EUGH)
Die meisten Urteile sind noch in der ersten Instanz. Mindestens drei Verfahren sind noch anhängig bei Oberverwaltungsgerichtshöfen (zweite Instanz). Allerdings kann jedes Gericht von vorne herein entscheiden, dass eine Konfliktlage zum Europarecht besteht und somit zum Europäischen Gerichtshof (EUGH) zur Vorab Entscheidung verweisen. 
Doch hier liegt bislang kein Verfahren zur Entscheidung an. Selbst die aus dem neuen Lotterie- und Staatsvertrag stark betroffenen Fälle von BWin und Lotto-Faber sind zurzeit nicht beim EUGH anhängig.

Resumé:
Der erste Schritt ist getan: Zum ersten Mal zweifeln Richter eines Deutschen Gerichts daran, dass dem Terminus „Pokerturniere“ ausreichend Beachtung geschenkt wurde und den Entscheidungen zuvor gute Recherchen zugrunde liegen.
Es bleibt die Hoffnung, dass andere Gerichte nachziehen. Die strafrechtliche Relevanz könnte somit nach Schweizer Muster gelöst sein. Oder vielleicht in Österreichischer Manier: „in dubio pro reo“, wenn nicht sicher ist, ob der Ausgang des Spiels beim Pokern generell überwiegend von Glück oder Fähigkeiten abhängt.
Wobei die verwaltungsrechtliche Relevanz noch bliebe: Art und Höhe der Einnahmen, sonstige Auflagen und Restriktionen.

Für die Veranstalter gilt es Ruhe zu bewahren und sich nach Möglichkeit zu wehren. Wer sich aus finanziellen Gründen nicht wehren kann, was ja ein Grundrecht in einer Demokratie sein sollte, dem bleibt nur die Hoffnung auf die Durchsetzungskraft der großen Veranstalter und ihrer Armada an Rechtsanwälten. 
Erste Zusammenschlüsse, Unterschriftsaktionen und Petitionsentwürfe geistern durch das virtuelle und anonyme world wide web. Ob dies Sinn macht, in einer Branche in der überdurchschnittlicher Egoismus und Eigennutz zu den Eigenschaften von herausragenden Gewinnern gehören? Die Zukunft wird es zeigen…

Stand: Ende April 2008

AK

 


von AK - veröffentlicht in: Rechtliches
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